Unter ökologischer Landwirtschaft versteht man eine Herstellungsart von Lebensmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die auf der Grundlage möglichst naher Produktionsmethoden und der Erkenntnisse aus den Bereichen der Ökologie und des Umweltschutzes beruht.
Chemische oder synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie Gentechnik kommen daher nicht zum Einsatz. Folgeprodukten aus ökologischem Anbau werden keine Geschmacksverstärker zugefügt. Aromastoffe dürfen nur beigefügt werden, wenn sie natürlichen Ursprungs sind. Das Wohlergehen der Tiere steht bei der ökologischen Landwirtschaft im Vordergrund.
Die Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft in Frankreich
Die ökologische Landwirtschaft hat sich in Frankreich zu einer Alternative zur konventionellen Landwirtschaft entwickelt. Seit Mitte der neunziger Jahre haben sich der Anteil der landwirtschaftlichen Anbaufläche sowie die Anzahl der Betriebe, die sich für den ökologischen Produktionsmodus entschieden haben, bedeutend vergrößert. Auch die ökologische Tierzucht hat sich seither entwickelt. Politische Rahmenbedingungen und ein wachsendes Verbraucherinteresse sind als sich gegenseitig bedingende Gründe für den Aufschwung der ökologischen Landwirtschaft zu benennen, der sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen dürfte. Derzeitig umfasst der Markt für Bioprodukte 1,6 Mrd. €; seit 1999 wächst sein Wert im Schnitt um 9,5% pro Jahr. Derzeitig gibt es 4 995 Fabriken, die biologische Produkte herstellen oder weiterverarbeiten. Die Hälfte aller Betriebe, die sich für die ökologische Landwirtschaft entschieden haben, baut Getreide , 40% bauen Obst und Gemüse an. Ein Drittel der Betriebe hat eine Rinderherde, die Hälfte der Betriebe betreibt Tierzucht. 16% haben Weinberge und mehr als zwei Drittel der Betriebe haben Landflächen, die als Grasflächen genutzt oder auf denen Futterpflanzen angebaut werden.
| Jahr | Betriebe | Anbaufläche | Tiere |
|---|---|---|---|
| 1995 | 3 602 | 118 000 ha | 25 500 |
| 2005 | 11 402 | 560 838 ha | 6 390 453 |
Die französische Bioproduktion zeichnet sich durch eine hohe Produktvielfalt aus. Bei den Anbaumethoden wird auf Tradition und Innovation gleichermaßen geachtet. Von Bedeutung sind ebenso der Anbau von Bioweinen und die strengen Auflagen für die Tierzucht.
Die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft
Die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft sind zahlreich: Zunächst heben die Verarbeitungsmethoden die natürlichen Eigenschaften der landwirtschaftlichen Erzeugnisse hervor; ferner geht mit der ökologischen Landwirtschaft die Schaffung von Tätigkeitsfeldern und Arbeitsplätzen einher. Durch die umweltschonenden Anbau- und Produktionsmethoden werden ebenfalls die Biovielfalt, die Qualität des Bodens, der Luft und des Wassers geschützt.
Die französische Politik zur ökologischen Landwirtschaft Die ökologische Landwirtschaft ist in Frankreich seit 1980 offiziell per Gesetz anerkannt. Auf europäischer Ebene erfolgten ab 1991 gesetzliche Regelungen. Im Jahre 2001 wurde in Frankreich die „Agence BIO“ ins Leben gerufen, die sich als öffentliche Interessengruppierung um die Entwicklung und die Förderung ökologischer Produktionsmethoden kümmert. Ihre Zulassung wurde im November 2006 für weitere fünf Jahre verlängert.
Seit 2004 verfolgt Frankreich eine neue Politik für den ökologischen Landbau, die gleichzeitig mit der Umsetzung der EU-Richtlinien einhergeht. Ziel war es, die ökologische Landwirtschaft durch legislative Vereinfachungen, zielgerichtete Beihilfen und Vermarktungsstrategien weiter zu fördern. Ein Beispiel für die Harmonisierung der französischen und europäischen Vorschriften ist die Einführung des „AB-Logos“ als Qualitätssiegel für die ökologische Landwirtschaft (s.u.). Die Kampagne „Printemps Bio“(Frühlings-Bio), die einmal jährlich in den ersten zwei Juniwochen in ganz Frankreich stattfindet, dient der besseren Wahrnehmung der ökologischen Landwirtschaft durch die Verbraucher.
Im Jahr 2006 ist ein neues landwirtschaftliches Orientierungsgesetz verabschiedet worden, das umweltschonende Produktionsmethoden favorisieren will. Es erlaubt, in die Landpachtverträge Klauseln aufzunehmen , die darauf abzielen, die Umwelt zu schützen. Landwirten, die sich für die ökologische Landwirtschaft entscheiden, sollen finanzielle Vorteile gewährt werden: Das Gesetz hat einen Steuerfreibetrag von 1 200 bis 2 000 € pro Jahr eingeführt, um die Landwirte nach der Periode der Umstellung bis zum Jahre 2009 zu unterstützen (geschätzt 45 Mio. € für drei Jahre). Es sieht außerdem die Berücksichtigung der Bescheinigung „ökologischer Landbau“ in Flurbereinigungsoperationen vor.
Ab Januar 2007 hat die Regionalverwaltung im Rahmen der nationalen Strategie zur nachhaltigen Entwicklung die Möglichkeit, den ökologischen Landbau für fünf Jahre ganz oder teilweise von der Grundsteuer auf unbebautes Land zu befreien. Das Programm 2007-2013 zur Entwicklung des ländlichen Raumes sieht vor, dass die zwei Maßnahmen „Umstellung auf die ökologische Landwirtschaft“ und „Aufrechterhaltung der ökologischen Landwirtschaft“ zu den Landwirtschafts- und Umweltmaßnahmen zählen, die ab 2007 im regionalen Teil der Programme umgesetzt werden können. Mehr als 156 Mio. € sind somit im Rahmen des siebenjährigen Programms für die ökologische Landwirtschaft vorgesehen. Die Regierung bemüht sich darum, dass der sich in Verhandlung befindende gemeinschaftliche Entwurf einer Verordnung über den ökologischen Landbau ein hohes Anforderungsniveau für den europäischen ökologischen Landbau aufrechterhält.
Qualitätssiegel ökologische Landwirtschaft
Das französische Qualitätssiegel für die ökologische Landwirtschaft „AB“ - agriculture biologique - sowie die dazugehörige Marke „AB“ sind alleiniges Eigentum des französischen Landwirtschaftsministeriums, das die Regeln des Gebrauchs festlegt. Verwaltet wird es von der Agence BIO. Das Siegel steht für eine garantierte Qualität, die mit einem umweltschonenden Produktionsmodus verbunden ist. Das Siegel bescheinigt, dass das betreffende Lebensmittel zu mindestens 95% aus Zutaten besteht, die der ökologischen Landwirtschaft entspringen und dass das Produkt durch den Einsatz naturnaher Produktionsmethoden ohne den Einsatz chemischer Düngemittel erzeugt worden ist, sodass das natürliche Gleichgewicht der Umwelt bewahrt wird. Gleichzeitig erfolgt die Labelvergabe unter Kontrolle eines von öffentlicher Hand anerkannten und der europäischen Norm EN 45011 entsprechenden unabhängig und unparteiisch agierenden Organs.
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